Kritik am Verhalten
des RCDS Trier
Während der 9. Sitzung des XXXIX. Studierendenparlaments der
Universität Trier kam es zu einem breiten studentischen Protest gegen einen geplanten
Antrag, der kurzfristig zurückgezogen wurde. Dieser Antrag (einer Person aus dem
Umfeld des RCDS Trier) forderte, dass „zwischen
der Ehe und anderen Formen des menschlichen Zusammenlebens weiterhin
unterschieden werden muss.“ Die Ehe und das Adoptionsrecht müssten daher
ausschließlich für die Verbindung von Mann und Frau reserviert bleiben.
In der Begründung des
Antragtextes, welcher auf der Sitzung verlesen wurde, findet man unter anderem folgende Passage:
„Nur die Verschmelzung
von Mann und Frau ist von Natur aus darauf angelegt, dass aus ihr Kinder
hervorgehen. Die Ehe ist die Verbindung von Mann und Frau und oftmals die
Vorstufe für eine spätere Familie. Die Familie ist die Keimzelle unserer
Gesellschaft, da jedes Kind einen Vater und eine Mutter hat. Die Familie
sichert somit den Fortbestand unserer Gesellschaft.“
Eine solche Position ist in unseren Augen höchst problematisch.
Der normative Biologismus, auf dem die Begründung des Antrages beruht, wird in der philosophischen Debatte zu Recht
als naturalistischer Fehlschluss kritisiert. Denn aus biologischen
Ist-Zuständen lassen sich keine politischen Sollenssätze ableiten. Homophobe - und
andere diskriminierende - Positionen werden häufig mit solchen biologistischen
Argumentationen untermauert. Daher ist es notwendig über die Unhaltbarkeit
einer solchen Begründung aufzuklären.
Unabhängig von der inhaltlichen Diskussion kritisieren wir
das Verhalten der RCDS-ParlamentarierInnen. Diese haben die Sitzung des
Studierendenparlaments trotz Redebedarfs verlassen und verweigerten somit ihre
Teilnahme an einer konstruktiven Debatte. Mit der Teilnahme an der Diskussion hätten sie sich unmissverständlich von der homophoben
Einstellung des Antragstellers distanzieren und die eigene Position sachlich darlegen können. Da so viele Studierende Interesse an der Sitzung zeigten, wäre dies ein angemessenes Verhalten gewesen.
Die Geschehnisse der letzten Tage zeigen, dass es wichtig
ist, sich aktiv gegen Homophobie zu engagieren. Diese ist nämlich weiterhin auch in der Mitte der Gesellschaft und bei
Studierenden anzutreffen.
Unsere Regional- und Hochschulgruppe wird sich mit der
Teilnahme auf dem CSD in Trier und einer geplanten Veranstaltungsreihe zum
Thema „Selbstbestimmte Sexualität“ gegen
diese Form der Menschenfeindlichkeit positionieren.

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